Vision

Junge Menschen stärken, die Zukunft zu gestalten

“Wir wollen die Lücke im Lebenslauf zum Highlight machen!” – so bringt Alexander aus unserem Bachelor-of-Being-Team unser Vorhaben auf den Punkt. Ja, es geht uns darum, dass junge Menschen selbstbewusst zu sich stehen, wenn sie sich in den Orientierungsjahren ihres Lebens noch nicht festlegen mögen, zweifeln, manches Begonnene wieder abbrechen. Oder wenn sie sich für einige Zeit lieber mit sich selbst und ihren Beziehungen befassen und sich in allem möglichen ausprobieren wollen. Es ist völlig okay, “noch nicht zu wissen” – und wir wollen dich ermutigen, dies als Abenteuer mit tausend Chancen zu betrachten! Erlaube dir, das “Funktionierenmüssen” für einige Zeit loszulassen – und staune, was entsteht!

Diese individualpsychologische Perspektive wäre vielleicht schon genug Vision für unser Projekt “Bachelor of Being”, ist doch der Leidensdruck vieler junger Menschen in dieser Phase so hoch, dass sie psychisch erkranken. Hier wollen wir präventiv wirken.

Doch es gibt auch noch eine gesellschaftspolitische Dimension  unserer Vision: Die Erde brennt, wir stehen als Menschheit vor mehreren weltweiten Krisen und müssen was tun! Wo könnten wir besser ansetzen als in der Persönlichkeitsbildung – sind doch fast alle gegenwärtigen Krisen menschengemacht, und Lösungen können nur gelingen, wenn wir besonnen und beherzt zusammenwirken. Dafür braucht es zahlreiche Kompetenzen, die man am besten in Gemeinschaft erwerben kann. Wesentlich sind z.B. Bewusstsein über die eigenen Werte und Bedürfnisse, Selbstvertrauen, Selbstliebe und eine gesunde Selbststeuerung, Verständnis und Empathie für Andere, Offenheit für Fremdes, aber auch Abgrenzungsfähigkeiten und Konfliktfähigkeit und Kompetenzen im Umgang mit Komplexität.

Indem wir den Wunsch junger Menschen nach Selbsterkenntnis aufgreifen und ihnen einen Resonanzraum geben, werden sie – so unsere Hoffnung – ganzheitlich gestärkt und zu wichtigen Pionieren einer Aufklärung 2.0, die unsere Welt so dringend nötig hat.

Eine Bildungsbewegung für Orientierungszeiten

Bestehendes sichtbar machen

In Deutschland gibt es über ein Dutzend Angebote, in denen junge Menschen für mehrere Monate zusammenleben können, um herauszufinden, worauf es im Leben ankommt und was sie tun wollen. Leider fristen diese Programme ein Nischen-Dasein: Ihr Problem ist, dass sie bisher größtenteils in Trägerschaft von Kirchen, Anthroposophie, ökologischen Lebensgemeinschaften oder anderen weltanschaulich geprägten Vereinen und Einrichtungen stattfinden. Staatliche Stellen (wie Berufsinformationszentren oder Studienberatungen) zögern daher, sie sichtbar zu machen oder gar zu empfehlen.

Gerade in der heutigen Zeit ist es jedoch wichtiger denn je, jungen Menschen diese Möglichkeiten aufzuzeigen und zugänglich zu machen. Imke-Marie, die Leiterin des Bachelor of Beings, hat sie daher in Eigeninitiative auf www.orientierungszeiten.info zusammengestellt.

Den Bachelor of Being entwickeln, verbreiten und vernetzen

Es ist zudem wichtig, neue Programme zu entwickeln, die noch besser als die bisherigen Angebote auf die aktuellen Herausforderungen und Bedarfe reagieren. Den Bachelor of Being verstehen wir in diesem Sinne als Prototypen, der in den Folgejahren auch an weiteren Orten etabliert werden soll. Denn wir brauchen solche Angebote nicht nur als singuläre Leuchttürme, sondern flächendeckend und finanzierbar für alle jungen Menschen, die sich eine Teilnahme wünschen! Parallel zur Entwicklung des Prototypen des Bachelor of Beings wird daher bereits an dessen Skalierung gearbeitet und eine Allianz verschiedener ähnlicher Angebote aufgebaut. Eine erste von uns initiierte Tagung der Orientierungszeiten-Anbieter hat bereits im Januar 2019 stattgefunden.

 

Eine neue Säule im Bildungssystem etablieren

Unsere große Vision ist ein bundes- oder gar europaweit flächendeckendes Netzwerk verschiedener Orientierungsprogramme, voll vom Staat finanziert und trotzdem in der curricularen Ausgestaltung sehr frei (natürlich nur auf Basis der demokratischen Grundordnung). Mehrmonatige Orientierungszeiten sollen – ähnlich der Freiwilligendienste – zu einer öffentlich anerkannten Säule im Bildungssystem werden – und europaweit zu einer „Aufklärung 2.0“ beitragen!

 

Zu groß geträumt?

In Skandinavien gibt es das in ähnlicher Weise seit 150 Jahren! In Norwegen besuchen beispielsweise 70% aller Schulabgänger eine solche Einrichtung, ebenso Menschen im Sabbatical. Das Buch “The Nordic Secret” von Lene Andersen und Tomas Björkman zeichnet nach, welch großen Impact die “Folkehojskole-Bewegung” auf die demokratische Entwicklung und die hohe Lebenszufriedenheit in den skandinavischen Ländern hatte. Das Geheimnis: Echte “Bildung” nach den Ideen von Humboldt, Herder, Hegel, …

Ist das nicht ein alter Hut?

Wir wollen die “Folkehojskole 2.0” realisieren! Dem Team des Bachelor of Being scheint dabei vor allem wichtig, dass die neuen Angebote …

  • einen stärkeren psychologisch-therapeutischen und psychosozialen Fokus besitzen und Resilienz fördern (z.B. Positive Psychologie, Systemische Beratung, Ressourcenorientierung),
  • einen bewussten Abstand von digitaler Vereinnahmung ermöglichen und stattdessen intensiven Erfahrungsraum mit Natur, Kunst und Handwerk eröffnen,
  • große Freiräume für selbstbestimmtes Lernen und eigene Projektvorhaben der Teilnehmenden bieten, damit sie ihre  ureigensten Interessen finden können und tiefe, positive Erfahrungen von Kokreativität entstehen, wobei auch die Kursleiter*innen sich als Lernende verstehen,
  • einen philosophischen und transreligiösen Blickwinkel auf spirituelle Fragen werfen und transzendente Erfahrungen jenseits von Religionszugehörigkeit ermöglichen (z.B. Achtsamkeit und Meditation),
  • sehr klar Fragen der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Transformation in den Mittelpunkt stellen, so dass die Teilnehmenden zu suffizienten Lebensstilen, politischer Einmischung und freudvoller Zukunftsgestaltung motiviert werden.